Wer heute durch die Pastor-Janßen-Straße in Wesels Stadtmitte geht, steht vor einem Gebäude, dessen Name gerade erst neu ist, dessen Geschichte aber weit zurückreicht: das FORUM Sankt Nikolaus, bis vor Kurzem Kirche Mariä Himmelfahrt. Seit September 2025 wird das Haus Schritt für Schritt in Betrieb genommen — und ab Herbst 2026 ist es Bühne unserer neuen Konzertreihe „Klang im Forum".
Ein Ort mit siebenhundert Jahren Geschichte
Die Wurzeln des Hauses reichen bis ins ausgehende 13. Jahrhundert zurück: 1291 gründeten Dominikaner in Wesel ein Kloster mit dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt. Die Klosterkirche und ihre Nachfolgebauten prägten die Weseler Innenstadt über Jahrhunderte.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bis auf Krypta und Turm zerstört. Der heutige Bau entstand 1952 nach Plänen des Kölner Architekten Rudolf Schwarz (1897–1961) — eines der prägendsten deutschen Sakralbau-Architekten des 20. Jahrhunderts, der zwischen 1946 und 1952 zugleich die Generalplanung für den Wiederaufbau Kölns leitete. Der im Krieg schwer beschädigte alte Turm wurde am 12. Juli 1961 wegen Baufälligkeit abgetragen.
2013: Aus vier wird eine
Am Pfingstsonntag, dem 19. Mai 2013, schlossen sich die vier katholischen Weseler Pfarreien Sankt Antonius, Sankt Johannes, Sankt Martini und Sankt Mariä Himmelfahrt zur neuen Pfarrei „Sankt Nikolaus, Wesel" zusammen. Der Name ist bewusst gewählt — Nikolaus ist Schutzpatron der Schifffahrt, und Wesel ist eine Rhein-Stadt.
Mit der Fusion begann auch ein Nachdenken über die vielen Gebäude der neuen Großpfarrei. 2014 fasste ein Immobilienkonzept die Überlegungen zusammen. Am Anfang stand eine schlichte Frage: Was tun mit einer Kirche, deren Schiff für die heutige Gemeinde zu groß geworden war?
Die Kirche öffnen — im wörtlichen Sinn
Aus dieser Frage wurde in gut zehn Jahren Planung das FORUM Sankt Nikolaus. Nach einem Architektenwettbewerb übernahmen Feja + Kemper Architekten aus Münster den Entwurf; die Pläne wurden 2018 und 2019 in vielen Gesprächen gründlich überarbeitet und um Räume für die Ehe-, Familien- und Lebensberatung sowie die Zentralrendantur der Dekanate Dinslaken und Wesel erweitert.
Die wohl auffälligste Veränderung: Das Mauerwerk der großen Rundbögen in der Seitenwand wurde herausgebrochen und durch großflächige Fenster ersetzt. Wo früher schwere Wände standen, fällt heute Tageslicht in ein Kirchenschiff, das lange als dunkel empfunden worden war. Bestimmend im freien Raum bleibt die farbige Fensterrosette im Westgiebel — sie hat die Umgestaltung überstanden und gibt dem neuen Innenraum seine Signatur.
„Die Kirche geöffnet — als Angebot hineinzuschauen, sich mit eigenen Ideen und Anliegen einzubringen und mitzugestalten." Pfarrer Stefan Sühling, Pfarrbrief „Seitenschiff" August 2025
Die Krypta: die Basis des Hauses
Auch der ursprünglichste Teil des Hauses — die im Krieg verschonte Krypta — wurde neu erschlossen. Ein Aufzug und ein neuer, großzügiger Treppenlauf führen vom Haupteingang direkt hinunter. Erstmals wurde in der Krypta eine Heizung eingebaut. Die Tischplatte des neuen Altars besteht aus dem Material des früheren Hauptaltars der Himmelfahrt-Kirche. Hier finden künftig die regelmäßigen Gottesdienste der Gemeinde statt.
Was oben — im geöffneten Kirchenschiff — als Begegnungsraum für die Stadt gedacht ist, ruht liturgisch weiter auf der Krypta unten. Der Ort behält seinen Ursprung; er teilt ihn nur anders.
Ab September 2026: Klang im Forum
Für uns als musik:landschaft westfalen war die Frage nach einem festen Konzertort in Wesel und am Niederrhein seit Längerem präsent. Mit dem FORUM Sankt Nikolaus fanden wir einen Raum, der beides mitbringt: eine Akustik, wie sie nur alte, hohe Räume tragen können, und eine neue Offenheit, die zu einem Publikum passt, das nicht nur aus klassischen Konzertgängern besteht.
Die Reihe „Klang im Forum" umfasst sieben Konzerte zwischen dem 24. September 2026 und dem 8. April 2027 — von Kammermusik über festliche Harfenklänge und argentinischen Tango bis zu einem Queen-Rhapsody-Abend und irischer Folkmusik. In Kooperation mit der Kath. Kirchengemeinde Sankt Nikolaus Wesel. Programmatische Leitung: Dirk Klapsing, Intendant der musik:landschaft westfalen.
Ein Ort, der über 700 Jahre lang Kirche war und jetzt Konzertkirche ist — das braucht keine besondere Erklärung mehr. Man muss nur einmal hineingehen und zuhören.